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Klassische Musik und Oper von Classissima

Giacomo Puccini

Montag 22. Mai 2017


Crescendo

18. Mai

Radikal umdenken! - Regietheater: Fortschrittlich oder ewig gestrig? Das sind keine Kategorien

CrescendoImmer wieder wird auf der Seite von Crescendo über das Für und Wider von Regietheater gestritten. Unser Autor hat die Grabenkämpfe satt. Oper braucht Erneuerung. Hier beschreibt unser Kolumnist, wie viel Mut wir dafür brauchen, und wie sie aussehen könnte. Von Axel Brüggemann Zuweilen brechen erbitterte Kämpfe aus: „Regietheater“, rufen die einen dann und richten ihre Krawatten, „das sei doch das Letzte: Eine Selbstverwirklichung geltungssüchtiger Regisseure!“ Allein die Noten, das Libretto und die Kostüme aus der Mottenkiste seien das wirklich Wahre! Die Anderen brüllen: „Quatsch! Oper muss immer in unserer Zeit stehen und damit jeden Tag neu befragt werde.“ Welche Rechtfertigung hätten wir denn für „Traviata“, „Lohengrin“ oder „Aida“, wenn wir sie nicht als gesellschaftlich vernachlässigte Prostituierte, depressive Welterlöser à la Trump oder Putzfrauen auf unsere Bühnen stellen würden? Euro-Trash oder Museums-Ästhetik? Die Grabenkämpfe zwischen vermeintlich konservativen und selbsternannt progressiven Opernliebhabern kennen – übrigens auch an dieser Stelle – nur ein Dafür oder Dagegen. Neulich habe ich mit einem Theatermenschen ein Bier getrunken. Der plant gerade eine neue Inszenierung an einem großen Haus. Als er über sein Regiekonzept plauderte, habe ich mich dabei ertappt, wie mir langweilig wurde. Ich fragte ihn, ob es denn wirklich nötig sei, in jeder Oper nach einer bislang noch unerzählten Perspektive zu suchen. Erwarten wir im Jahre 2017 wirklich von der Kunstform Oper, dass wir sie jeden Abend nach der letzten neuen Idee ausquetschen wie eine alte Zitrone? Oder reicht es uns nicht, uns einfach von ihrer Sinnlichkeit betören und überwältigen zu lassen (denn die Sinnlichkeit ist doch das wahre Manko unserer Zeit!)? Wer sagt, dass wir in einer Zeit, in der wir in Zeitungen, im Fernsehen, an Stammtischen und in sozialen Medien kontinuierlich über realpolitische und realsoziologische Themen philosophieren, wirklich auf die Kunstform Oper angewiesen sind? Sie ist nun wirklich nicht grundlegend nötig, um Phänomene wie die Emanzipation, den Gedanken der politischen Freiheit, den Mechanismus einer Diktatur oder gesellschaftliche Ungerechtigkeit zu deklinieren, oder? Taugt die Oper überhaupt noch, um unsere Gegenwart zu verstehen? Und ist es dafür wirklich nötig, sie immer wieder – und oft auch sehr verkrampft – mit Momenten unserer Zeit auszustatten? Die Gegenwart ist Teil jeder Inszenierung Auf der anderen Seite: Was die Oper von vielen anderen Kunstarten unterscheidet, ist, dass sie ohne Gegenwart gar nicht zu leben beginnen kann. Die Mona Lisa hängt seit Jahrhunderten an der gleichen Museumswand in Paris. Genau so, wie Leonardo sie gemalt hat. Und auch ein Buch wie „Schuld und Sühne“ wird heute noch mit jedem Buchstaben verkauft, den Dostojewski so genial aufs Papier geschrieben hat. Der Betrachter von Bildern und der Leser von Büchern hat niemanden außer der Zeit zwischen sich und dem Künstler, mit dem er sich gerade auseinandersetzt. Schauspiel, Konzert und Oper brauchen, damit wir sie heute erleben können, aber immer auch einen Interpreten aus unserer Zeit. Sie sind Kunstwerke mit einem doppelten Schöpfungsakt: Auf der einen Seite die Schöpfung von Komponist und Librettist, auf der anderen die Neuschöpfung durch die Dirigenten, Regisseure, Musiker und Sänger. Dieser Umstand solle jedem Komponisten bewusst gewesen sein, als er seine Opern schrieb. Jeder, der eine Oper komponiert, weiß, dass er mit seiner Partitur nun eine Vorlage zur Auseinandersetzung abliefert, dass er sein Werk irgendwann – freiwillig oder unfreiwillig – aus der Hand gibt. Dass er spätestens nach seinem Tod keinen Einfluss mehr auf den Prozess der zweiten Schöpfung hat. Dass die Nachgeborenen sich sein Werk zu eigen machen werden. Gerade darin liegt ja auch die Faszination der Kunstform OperEs ist nur logisch, dass das jeweilige Team der „zweiten Schöpfung“ findet, dass die Oper nach einer dauernden Aktualisierung schreit, danach, in den Kontext immer neuer Gegenwarten gestellt zu werden. So vehement zwischen vermeintlich konservativen und progressiven Vertretern der Opern-Ästhetik gestritten wird, so absurd erscheint dieser Streit. Denn selbst eine Aufführungen, die Carmen in rotem Flamenco-Kleid zeigt oder „La Traviata“ zurück ins 19. Jahrhundert verlegt, bleibt am Ende eine Inszenierungen aus unserer Gegenwart. Sie ist eine bewusste Entscheidungen für einen Historismus, der allerdings nie wirklich historisch sein kann, da es in einer Welt wie der Oper keine Rückfahrkarte in die Zeit des Komponisten gibt, sondern höchstens Möglichkeiten einer historisch informierten Annäherung aus dem wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Gegenwart. Kurzum, die Debatte zwischen den Verfechtern eines konservativen und eines progressiven Opernstils sind vollkommen absurd! Denn letztlich benutzen sie nur unterschiedliche Mittel, um das Gleiche zu erreichen: Eine Emotionalisierung des Publikums, ein Nachdenken über das, was da auf der Bühne stattfindet – sie alle wollen das Publikum berühren. Manche, indem sie versuchen, dem, was sie für die Intention des Komponisten halten, zu zeigen. Andere, indem sie ihre eigenen Assoziationen auf Grund der Partitur in den Vordergrund stellen. Manche, indem sie den Fokus auf das legen, was die Musik unmittelbar mit ihren Zuhörern macht, andere indem sie die Musik als Ausgangspunkt nehmen, um genau jene Zustände zu beschreiben, die uns heute interessieren. Wir müssen viel radikaler werden Vielleicht sind wir im Jahre 2017 aber auch an einem Punkt angekommen, an dem man die gute alte Oper drehen und wenden kann wie man will – und sie uns zwar immer noch zutiefst emotionalisiert, berührt und packt, gleichsam aber auch auserzählt wirkt. Davon jedenfalls zeugt vor allen Dingen jenes Theater, das wir gern „Regietheater“ nennen. Nachdem Neuenfels, Konwitschny und Co. die Oper in den 80er und 90er Jahren weitgehend auseinandergeschraubt haben – was soll danach noch kommen? Bis heute, um ehrlich zu sein: wenig. Viele Epigonen sind da unterwegs, deren Einfallsreichtum nicht wirklich größer ist als der jener Menschen, die Oper „konventionell“ erzählen. Mehr noch: der Back-Clash hin zum Historischen scheint ein Schlüsselreflex zu sein. Aber eine spannende Fortsetzung dieses guten alten Regietheaters ist mir in unseren Opernhäusern in den letzten Jahren nur selten vorgekommen. Klar, es gibt sie immer wieder die Abende, die selbst in einer bekannten Opern noch einen spannenden Teilaspekt finden oder eine bislang uneingenommene Perspektive. Und sicherlich: auch neue Medien gesellen sich hinzu. „Freitschütz“, „Parsifal“ und „Entführung“ kommen heute kaum noch ohne Videoprojektionen aus, ohne multimediale Untermalung und radikale Neudeutungen – aber gibt es dadurch wirklich immer Neues in der Substanz? Das Verwunderliche ist, dass viele Menschen aus dem Opernbetrieb dennoch auf diese Form der Erzählung setzen – und zwar nur auf diese! Sie verstehen das Opernhaus auch weiterhin als Pulsmesser unserer Zeit, als emotionales Kraftwerk, als Ideen-Einwurfmaschine für unsere Gegenwart. Vielleicht ist die Zeit reif, radikaler umzudenken. Nicht das Gegeneinander unterschiedlicher Ästhetiken sollte den Spielplan bestimmen, nicht die Ideologie eines Intendanten für oder gegen das sogenannte „Regietheater“. Das historisch informierte und das vollkommen neu Gedeutete können gut nebeneinander stehen. Aber das allein wird nicht reichen, um die Oper wieder in unsere Zeit zu rücken. Der Komponist Moritz Eggert fordert seit Jahren (und das nicht aus Eigennutz), dass gerade auch Intendanten den Mut haben sollten, neue Opern in Auftrag zu geben, Werke, deren Musik ebenfalls aus unserer Zeit stammt. Und das wäre am Ende ja nur konsequent. Es würde jene Kritiker des Regietheaters befriedigen, die maulen „schreib doch ne bessere Oper, wenn Du den ‚Don Giovanni’ auseinanderfledderst!“ Und auch innovativen Kräften sollten Opern aus unserer Zeit durchaus entgegenkommen. Ja, Eggert denkt bei seinen Gedankenspielen sogar über Quoten nach: 50 Prozent? 25 Prozent? 70 Prozent? Egal: Wichtig wäre lediglich, das das Neue wieder zu einer Normalität wird – so wie es auch im 18. oder 19. Jahrhundert normal war, dass alte Opern nun Gegenwartskompositionen die Spielpläne der europäischen Häuser bestimmten. Warum fehlt eigentlich der Mut? Aber zu genau diesem, wirklich radikalen Schritt, scheint vielen Häusern einfach der Mut zu fehlen. Sie suchen weiter das Neue und Gegenwärtige im Alten – und drohen dabei ebenso abzustumpfen wie ihr Publikum. Oder sie verlassen sich auf die Ewigkeit des Schönen und Hehren, so wie Puccini, Mozart oder Wagner es aufgeschrieben haben. Beides ist legitim. Aber wer es wirklich ernst meint mit einer Erneuerung der Oper, kommt nicht daran vorbei, auch das Genre an sich zu befragen und Komponisten zu beauftragen, es aus unserer Zeit heraus neu zu arrangieren. Würde die Neue Oper nicht nur ein Feigenblatt sein, das man einmal in der Saison für das eigene Image auf das Programm stellt und längst mit anderen Produktionen gegenfinanziert hat, könnte die Oper profitieren. Dann müssten sich auch unsere Komponisten wieder mehr nach dem Publikum richten, ihren Elfenbeinturm verlassen – und mit sinnvollen Ideen hervorkommen, wie die Kunst der Musik, des Gesanges und der Bühne unsere Zeit emotional erhebt, befragt oder schockiert. Wer über Regietheater oder Mottenkiste streitet, streitet immer auch über unseren Umgang mit Oper. Ihm liegt die Kunstform offensichtlich am Herzen. Aber wenn sie nicht sterben soll, dürfen wir nicht allein um ihre Reproduktion streiten, sondern sind auch verpflichtet, die Oper als Form weiterzuschreiben.

musik heute

10. Mai

Osterfestspiele Salzburg: "Tosca" ohne Regisseur Stölzl

Salzburg/Berlin (MH) – Die Neuproduktion der Puccini-Oper "Tosca" bei den Osterfestspielen Salzburg 2018 wird nicht von Philipp Stölzl inszeniert. Beide Seiten hätten vereinbart, die Zusammenarbeit nicht weiterzuführen, teilten die Festspiele am Dienstag mit. Einen Grund [...] The post Osterfestspiele Salzburg: "Tosca" ohne Regisseur Stölzl appeared first on MUSIK HEUTE .






Crescendo

10. März

Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Warum zwei Klassikhörer nicht mehr ohne können

Dem einen wurde schon als planschendem Kleinkind Wagners „Ring“ erzählt, die andere lässt gerne ein Lied zum Sinnbild ihres Sommers werden. crescendo sprach mit Rainer Wolf (79) und Stella Sundheimer (17) über Musik und Hörgenuss. Was war Ihre erste Begegnung mit klassischer Musik? Rainer Wolf: Meine Mutter war Wagner-begeistert und hat mir schon als Kleinkind in der Badewanne den Inhalt vom „Ring“ erzählt. Später hat sie mich auch mal mit in die Oper oder Operette genommen. Feuer gefangen habe ich aber erst mit Mitte 20 bei einem Studentenkonzert der Freien Universität in Berlin bei Dvořáks Neunter, deren berühmtes Motiv es mir angetan hat. Stella Sundheimer: Meine Eltern haben immer schon viel Klassik, aber auch Musik von Supertramp bis Jazz gehört. Mit den Nachbarskindern haben mein jüngerer Bruder und ich unseren Eltern die „Zauberflöte“ vorgeführt, die wir halb auswendig konnten. Außerdem sind wir immer an Weihnachten mit Papi und einer anderen Familie in die Oper gegangen. Wichtiger als die Vorstellung war für uns aber ehrlich gesagt der Kakao, den es vorher im Hotel Vierjahreszeiten gab; insgesamt hat mich früher das Bühnenbild und das Drumherum mehr fasziniert als die Musik. Beherrschen Sie selbst ein Instrument? Stella Sundheimer: Im Kindergarten habe ich Blockflöte gespielt und in der Grundschule mit Klavier angefangen. Seither gab es schon Zeiten, wo ich gar keine Lust zum Üben hatte. Zum Glück komponiert mein Klavierlehrer für jede Altersklasse selber Stücke, die ich allein durchs Zuhören nachspielen konnte. Das hat mir Spaß gemacht und war weniger langweilig als Tonleitern. Rückblickend bin ich froh, dass ich dabei geblieben bin. Mittlerweile spiele ich eine Stunde vor mich hin, wenn ich Zeit habe. Dabei kann ich gut abschalten. Wie oft gehen Sie in die Oper und in Konzerte? Stella Sundheimer: Meine Großeltern haben mehrere Abos, die meine Eltern mit nutzen können. Außerdem kaufen sie häufiger Karten. Wenn einer der beiden keine Zeit hat, darf ich kurzfristig einspringen. Mich monatelang im Voraus auf eine Vorstellung festzulegen, finde ich aber schwierig. Die Namen sagen mir oft nichts. Während der Festspiele kann es sein, dass ich einmal pro Woche gehe. Dann vergeht aber auch mal ein halbes Jahr ohne Opernbesuch. Rainer Wolf: In Berlin hatten wir den großen Vorteil, dass es übrig gebliebene Studentenkarten für zwei Mark gab. Das wurde bei mir mit vier bis fünf Mal Oper und Theater pro Woche schnell exzessiv. Was ich schon damals sehr geschätzt habe, war Opern mehrfach zu hören. Denn ich habe den Eindruck, dass jede Aufführung anders ist. Seit Ende meines Studiums sind meine Veranstaltungs-Besuche etwas weniger geworden, aber immer noch recht häufig. Was gibt Ihnen die Musik? Rainer Wolf: Erstens ist Musik Nahrung für die Seele. Zweitens finde ich sie eine attraktive Form der Freizeitgestaltung. Als kritischer Geist vergleiche ich sehr gerne. Die gleiche Oper in verschiedenen Inszenierungen oder das gleiche Konzert in verschiedenen Interpretationen zu hören macht mir Spaß. Dabei bin ich sehr fixiert auf Hochkultur, das heißt bestimmte Sänger, Regisseure oder Dirigenten wie Karajan oder Petrenko, was die Maßstäbe ungeheuer ändert. Das schließt aber nicht aus, dass man im semiprofessionellen Bereich auch Entdeckungen machen kann. Wie orientieren Sie sich bei der Auswahl? Rainer Wolf: Ich lese gerne viele verschiedene Zeitungen und gehe nach Namen. Stella Sundheimer: Ich habe das Glück, dass sich meine Eltern gut auskennen. Wenn sie etwas aussuchen, muss ich das eigentlich mögen. Die Musik kenne ich oft schon von CDs. Außerdem ist es ein Vorteil, bei Opern über den Inhalt der Geschichte Bescheid zu wissen. Denn meist bezieht sich die Musik auf den Inhalt. Welche Musik hören Sie zu Hause? Stella Sundheimer: Klassik höre ich von mir aus eher weniger, dafür aber fast immer nebenbei aktuelle Musik. Mit meinem Bruder teile ich mir ein Spotify-Abo, so dass wir aus einer unglaublich großen Auswahl bunt gemischt streamen, speichern und offline können. Manchmal entdecken wir dabei neue Sachen, die wir dann vergleichen. Besonders genieße ich es, 15 bis 20 Minuten in die Schule zu laufen und dabei mit Kopfhörer allein Musik zu hören. Das ist Zeit nur für mich, in der keiner mit mir reden will. Toll finde ich auch, im Sommer ein Lied zu haben, das wir zu jedem Anlass hören und das alle auswendig können. Oder mit Freunden am See zu sitzen, wenn einer Gitarre spielt und die anderen dazu singen. Das sind Momente, an die man sich immer erinnert. Alle konzentrieren sich auf eine Sache. Rainer Wolf: Im Bezug auf moderne Elektronik bin ich nicht affin. Aber ich höre gerne bewusst Klassik von der CD, um nach einer Oper oder einem Konzertbesuch noch mal zu vergleichen. Dabei dunkle ich nicht den Raum und schließe die Augen. Aber man muss sich schon konzentrieren. Ich dirigiere dann auch gerne mit. Radio mag ich auch, weil man dort manchmal unvorbereitet auf spannende Dinge stößt. Kommerzielles Radio stört mich aber wegen der Häppchen-Kultur mittlerweile sehr. Generell sind mir aber alle Formen von lebendiger Musik lieber als die aus der Steckdose. Suchen Sie Ihre Musik je nach Stimmung aus? Stella Sundheimer: Schon. Abends im Bett höre ich andere Sachen, als wenn ich mich mit meinen Freundinnen für eine Party fertig mache. Rainer Wolf: Für mich war es jahrelang das Sonntagsvergnügen, zum Frühstück laut das „Capriccio Italien“ von Tchaikovsky oder den „Don Juan“ zu hören. Heute dürfen es je nach Stimmung auch mal Verdi-Heuler, Puccini oder der „Trauermarsch“ als dem Ring sein. Heutzutage ist Musikhören mit Kopfhörern weit verbreitet. Machen Sie das auch? Rainer Wolf: Maximal 30 Minuten, wenn ich eine Schiffsreise mache und dabei Grieg oder Mendelssohn Bartholdy höre. Ansonsten hasse ich die Dinger, weil die mir in den Ohren drücken. Stella Sundheimer: Auf Autofahrten benutze ich die immer, weil ich meine eigene Musik und nicht die Kindergeschichten von meinem kleinen Bruder hören will. Zuhause drehe ich Musik lieber laut auf, zum Beispiel beim Kücheaufräumen. Außerdem hat mein Vater eine tolle Anlage, bei der die Lautsprecher perfekt auf einen bestimmten Platz auf dem Sofa ausgerichtet sind. Da wird einem bewusst, was es für Unterschiede gibt. Schauen Sie auch Musik-Videos? Rainer Wolf: Ich habe eine ganze Menge Opern-DVDs, die ich mir mit Genuss zu Gemüte führe. Videos schaue mich mir nur selten an, finde aber schon, dass das Filmische da zum Teil in höchst artifizieller Form angewendet wird. Wegen der schnellen, hektischen Schnitte sind die für mich meist zu anstrengend. Stella Sundheimer: Musik-Videos schaue ich teilweise, irgendwelche Kanäle von Youtube-Stars finde ich megalangweilig. Wie empfinden Sie Pop-Konzerte im Vergleich zu klassischen, Stella? Stella Sundheimer: Bei beiden teilt man ein Erlebnis mit anderen, konzentriert sich gemeinsam auf eine Sache. Bei Popkonzerten kommt manchmal noch eine tolle Light-Show dazu, so dass man in einer anderen Welt ist. Dabei ist es aber wichtig, dass man sein Handy ausschaltet und nicht gleichzeitig allein mitteilt, wo man gerade ist. Ansonsten erinnert man sich viel weniger, wie es war. Wie viel bekommen Sie, Rainer, von moderner Musik mit? Rainer Wolf: Die spielt für mich keine Rolle. Es ist vielleicht ein Privileg des hohen Alters, dass man sich nicht mehr für alles interessieren muss. Aber wenn ich mehr junge Menschen kennen würde, die mir ihre Musik vorspielen, hätte ich vielleicht eine andere Einstellung. Bei klassischer Musik finde ich es schade, dass da meist nur älteres Publikum – der Silbersee – im Publikum sitzt. Das hängt sicher nicht nur mit mehr Interesse, sondern auch mit den hohen Kosten für Eintrittskarten zusammen. Bringt es etwas, Kinder früh in Kontakt mit Klassik zu bringen? Rainer Wolf: Es gibt mannigfache Bemühungen, ein junges Publikum heranzuziehen. Ich finde es zum Beispiel sinnvoll, wenn man Kinder spielerisch an die Instrumente heranführt. So etwas gab es früher nicht. Stella Sundheimer: Ich kann mich noch genau dran erinnern, wie toll ich im Kindergarten eine Führung durch die Oper fand, weil man dabei auch hinter die Bühne konnte. Bei einer anderen Gelegenheit durften wir selbst etwas inszenieren. Das hat mich wahnsinnig begeistert. Mitmachen bringt mehr als still sitzen, zuhören oder zuschauen zu müssen, was vielen Kindern schwer fällt. Brauchen Sie als Kontrast zum Musikhören auch Stille? Rainer Wolf: Die suche und genieße ich sehr als Alternative. Es ist aber nicht so, dass ich mich von morgens bis abends beschalle. Stella Sundheimer: Ich höre meist Musik oder singe vor mich hin, mag es manchmal aber auch ruhig. Von Antoinette Schmelter-Kaiser

Crescendo

6. März

Reise: Mit Bassbariton Tuomas Pursio durch Leipzig - Leipzig

Bach, Schumann, Mahler, Wagner: Alle durchströmten sie die Sachsen-Metropole. Zusammen mit Bassbariton Tuomas Pursio begibt sich unser Autor durch „Hypsig“, den „Kopf der Musik“. In dieser Kulturlunge Deutschlands bin ich sehr glücklich.“ Das ist ein bedachtes und ehrliches Wort des finnischen Bassbaritons Tuomas Pursio. Er sagt „Lunge“ für pulsierenden Austausch, nicht „Herz“. Zum Gespräch treffen wir uns an der Oper Leipzig, nur wenige 100 Meter vom größten Kopfbahnhof Deutschlands. Sogar an diesem kalten Januartag mit Puderschnee herrscht hier nach der Vormittagsprobe reges Getümmel. Direkt vor dem Bühneneingang starten die Fernbusse in alle Richtungen. Ab 4. März wird Tuomas Pursio wieder zum bösen Kaspar in Webers „Freischütz“, es ist bereits seine vierte Produktion dieses urromantischen Identifikationsstücks mitteldeutscher Kultur. Im Schatten des neuen Gewandhauses auf der anderen Seite des Augustusplatzes kommt das Gespräch ganz schnell auf den breiten Leipziger Musikstrom von Bach zu Wagner über Mahler, Mendelssohn, Schumann, Reger bis in die Gegenwart Udo Zimmermanns und Steffen Schleiermachers. Von der Fußgängerzone führt der Weg vorbei an der Nikolaikirche, Symbol der Wende und für Kirchenmusik bis heute ein aktiver Ort ebenso wie die durch Bach berühmtere Thomaskirche. „Dort ist das Grab meines Idols“, sagt der dunkelhaarige Sänger mit bemerkenswert klarem Deutsch ohne Dialektakzente, die er in seinen Gesellenjahren im Studio der Oper Zürich und der Deutschen Oper am Rhein leicht hätte annehmen können. Und man merkt, wie verwurzelt er in der Stadt ist, wo er seit 14 Jahren zu den Ensemblesäulen gehört – unter Riccardo Chailly, Peter Konwitschny und jetzt Generalintendant Ulf Schirmer. Klar, dass es in unserem fast dreistündigen Treffen mehr um Musik und Theater geht als um die überall sichtbaren Geschichtsspuren wie das Forum für Zeitgeschichte oder das Museum Runde Ecke zur Stasi-Aufarbeitung. Bachdenkmal - Thomaskirchhof 18, Leipzig; Foto: Andreas Schmidt Vor dem Bach-Denkmal an der Thomaskirche setzt Tuomas Pursio eine Linie seiner künstlerischen Passionen: „Erstens Bach, zweitens Wagner und Strauss, drittens Verdi und Puccini.“ Eins tritt derzeit leider zurück, zwei steht im Zentrum. An allen wichtigen Leipziger Musikorten – Thomaskirche, Gewandhaus, Universitätsmusiken und vielen anderen – ist Tuomas Pursio aufgetreten. Doch gibt es hier Zäsuren zwischen der ausgeprägten Tradition des oft in der Oper und gleichzeitig Konzerte spielenden Gewandhausorchesters und einer ganz stark profilierten Sakralmusik. Dabei war Bach der Magnet, der Tuomas Pursio schon ganz früh zur Musik zog. Als Knabe rückte er schnell auf in die Spitzengruppe der „Cantores minores“, dem finnischen Pendant zum Leipziger Thomanerchor, und begegnete beim Gastspiel der Kruzianer in Helsinki 1980 bereits seinem Basskollegen René Pape. Tuomas Pursio vergleicht die räumliche Weite der Leipziger Kanäle, die großen Parks von „Klein Paris“ und das Neuseenland rundum mit seiner Heimatstadt Helsinki. In Leipzig wurde er nach zwei Spielzeiten von 2000 bis 2002 am Theater Erfurt ganz schnell zum bekennenden Lipsianer: „Erfurt ist wunderbar, doch Leipzig liegt mir als Großstädter einfach mehr.“ Damals lernte er seine Frau kennen und lieben, sie ist als Musiklehrerin die ideale künstlerische Wegbegleiterin. Und sie kann sich mit ihm darüber freuen, dass derVater von drei Kindern (zwölf, zehn und acht) an der Oper Leipzig nach dem Riesenerfolg als bodenständiger Traummann Mandryka für Strauss’ Arabella immer mehr in das schwere Wagner-Fach hineinwächst. Familie und Berufung beeinflussten natürlich die Entscheidung für das Wohnquartier. Jetzt wohnt Familie Pursio in Gohlis, nahe am Rosental-Park, dem idyllischen Schlösschen und den beeindruckenden historistischen Hausfassaden, die heute weitflächig strahlen wie vor 1914, als Leipzig die reichste Stadt Deutschlands war. „Richard ist Leipziger“, so setzt die Messestadt Wagner auf Augenhöhe mit Bach. Wagners Geburtshaus am Brühl steht nicht mehr, doch der Verein Leipziger Notenspur und die aktive Ortsgruppe des Richard-Wagner-Verbands balancieren die beiden Meister im Gleichgewicht der Kräfte. Und auf Plakaten wirbt das Porträt des vor einem Jahr verstorbenen und hier vergötterten Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur für das Mendelssohn-Haus. Bassbariton Tuomas Pursio im Gespräch, Foto: Kirsten Nijhof Über den Marktplatz mit dem Renaissance-Rathaus und den Messehöfen rundum flanieren wir durch die Ausgehmeile Barfußgässchen zwischen Markt und dem schönen Schauspielhaus, dort sitzen zu jeder Jahreszeit Trendsetter und Touristen. Ziel ist das Café-Restaurant „Zum Arabischen Coffe Baum“, eines der ältesten Kaffeehäuser Mitteleuropas und heute eine Filiale des Stadtgeschichtlichen Museums. Hier huldigte Bach mit der „Kaffee-Kantate“ dem kolonialen Modegetränk, hier scharwenzelte Kurfürst August der Starke um die schöne Wirtin Johanna Elisabeth Neumann. Und auch hier geht es um die Musik. Tuomas Pursio ist glücklich über die vielen gebrochenen Charaktere, die er an der Oper Leipzig und als in seiner Heimat beliebter Gast an der Oper Helsinki verkörpern darf: Mephisto – gleich gegenüber von Goethes Originalschauplatz Auerbachs Keller–, den diabolischen Nick Shadow und nach seinem Rollendebüt als Prophet Jochanaan an der Oper Linz folgt „Salome“ in Leipzig. Bach wird für ihn weiterhin zu kurz kommen, aber dafür gibt es satte Aufgaben bei den Wagner-Tagen jedes Jahr im Mai und einem ersten Strauss-Wochenende im Juni 2017. Damit lässt sich gut leben in Leipzig. Roland H. Dippel TIPPS, INFOS & ADRESSEN Reiseinformationen rund um einen Besuch in Leipzig Altes Rathaus in Leipzig am Abend; Foto: Andreas Schmidt Musik & Kunst: Bis Juni 2017: In den Gewandhaus-Konzerten mit dem neuen Kapellmeister Andris Nelsons (ab September 2017) und des MDR Sinfonieorchesters unter Kristjan Järvi gibt es fast jede Woche Highlights. Die Oper Leipzig prunkt ab 20. Mai mit Charles Gounods Historienfetzer Cinq-Mars, Wagners komplettem Ring und dem Bachfest, einem der glanzvollsten Barockfestivals weltweit. Auch die Nähe zu Weimar, Halle, Dessau, Dresden machen Leipzig zum idealen Kultururlaubsort. Das Bach Museum ist didaktisch bestens gelungen, das Kreativquartier Leipziger Westen zeigt allerneueste Kunst in frischen Präsentationen. Die Leipziger Buchmesse bietet einen unübertreffbaren Crashkurs für Gegenwartsliteratur. Essen & Trinken: Ein Traditionslokal ist die Gosenschenke in Leipzig-Gohlis, dort sieht man auch regelmäßig Künstler wie Roland Seiffarth, Lehár-Experte und früher Chefdirigent der Musikalischen Komödie. Menckestraße 5, 04155 Leipzig www.gosenschenke.de Das Café-Restaurant Zum Arabischen Coffe Baum lohnt immer den Besuch. Kleine Fleischergasse 4, 04109 Leipzig www.coffe-baum.de Eine pulsierende Alternative zur Flaniermeile Karl-Liebknecht-Straße in der Südstadt ist die Karl-Heine-Straße im westlichen Stadtteil Plagwitz. Übernachten: Für Musik- und Kulturliebhaber empfohlen sei das in unmittelbarer von Wagners Geburtsplatz gelegene Hotel Marriott. Doppelzimmer ab 126 Euro. Am Hallischen Tor 1, 04109 Leipzig www.marriott.de Gleich zwischen Oper und Nikolaikirche befindet sich das Victor’s Residenz-Hotel als idealer Starter für alle Kulturziele. Doppelzimmer ab 81 Euro. Georgiring 13, 04103 Leipzig www.victors.de

Klassische Musik und Oper von Classissima



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